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Handwerk und Zünfte

Ab dem 12. Jahrhundert schlossen sich Handwerker zu Vereinigungen zusammen, den sogenannten Zünften. Jede Zunft hatte ihr eigenes Zunfthaus und eine eigene Satzung, die fachliche Dinge ebenso regelte wie Ausbildung, berufliche Aufstiegsmöglichkeiten und die Zulassung zum Meisteramt. Der Zusammenschluss war zuständig für die Qualitätssicherung der Arbeit innerhalb des Gewerbes und wachte über die Einhaltung von Maßen, Gewichten und Preisen.

Die Zünfte waren aber auch eine soziale Gemeinschaft. Man feierte zusammen, hatte aber z.B. auch die Aufgabe, sich um die Hinterbliebenen verstorbener Amtsbrüder zu kümmern. Außerhalb der Zünfte durfte keiner das jeweilige Handwerk ausüben, was die Existenzgrundlage der Zunftmitglieder sicherte. Die älteste nachgewiesene Zunft in Annweiler ist die Bruderschaft der Sichel- und Sensenschmiede.

  Tipp: Gegenüber vom Museum unterm Trifels gibt es eine historische Gerberwerkstatt. Dort kann man sehen, welche Werkzeuge die Gerber benutzten und wie die einzelnen Arbeitsschritte erfolgten. Informationen zur Gerberwerkstatt im Museum unterm Trifels.

 


Ehrenhafte und unehrenhafte Berufe in der mittelalterlichen Stadt

Heute haben alle Menschen die gleichen Rechte, egal welchen Beruf sie ausüben. Im Mittelalter war das anders. Während nur die reichen Kaufleute und die Handwerksmeister das „Bürgerrecht“ besaßen und somit in den Stadtrat gewählt werden konnten, gab es eine Menge von Handwerksgesellen, Lehrlingen, Knechten, Mägden und Tagelöhnern, die zwar Stadtbewohner waren, jedoch kein Bürgerrecht besaßen. Voraussetzung dafür war, dass man ein eigenes Grundstück besaß und dafür brauchte man natürlich viel Geld, das die meisten Bewohner nicht hatten.

Neben diesen reicheren und ärmeren Stadtbewohnern gab es aber eine dritte Gruppe von Menschen. Sie lebten am Rande der Gesellschaft, wurden von allen anderen gemieden und als „Ehrlose“ bezeichnet, obwohl sie zum Teil wichtige Funktionen für die Stadtgemeinschaft ausübten. Die „unehrlichen“ Berufe hatten entweder mit schmutzigen Tätigkeiten zu tun oder wurden als moralisch verrucht (unehrenhaft) angesehen. Als Bezeichnungen für diese Berufe wurden oft umschreibende Begriffe verwendet, um die unschöne Tätigkeit nicht aussprechen zu müssen, obwohl jeder ohnehin wusste, was gemeint war:
„Heimlichkeitsfeger“, „Goldgrübler“, „Stocker“
Da es im Mittelalter keine Kanalisation und folglich auch keine Toiletten mit Spülung gab, hatten die meisten Häuser ein so genanntes „Plumpsklo“, meistens im Innenhof. Wenn die Grube, in der die Fäkalien hineinfielen, von Zeit zu Zeit voll war, musste sie von jemandem wieder ausgeschaufelt und der Inhalt abtransportiert werden. Dafür waren die so genannten Kloakenentleerer zuständig, die in verschiedenen Städte mit unterschiedlichen Umschreibungen bezeichnet wurden (s.o.).
Henker, Scharfrichter, Totengräber
Wenn im Mittelalter jemand einen Mord oder ein anderes schlimmes Verbrechen begangen hatte, wurde er zum Tode verurteilt. Dies geschah entweder durch Erhängen am Galgen oder durch das Abschlagen des Kopfes mit einem Beil. Für die Hinrichtungen waren die Henker oder Scharfrichter zuständig, die meist auch die Aufgabe eines Folterknechts wahrnahmen, um von einem Angeklagten ein Geständnis zu erpressen, wenn dieser eine ihm vorgeworfene Tat nicht freiwillig zugeben wollte. Es ist verständlich, dass die anderen Stadtbewohner um den Henker einen weiten Bogen machten. Deshalb wohnte er meist außerhalb der Stadtmauer.
Außerdem zählen dazu Gaukler, Musikanten, Schausteller, Artisten und Spielleute, „Dirnen“ (Prostituierte), sowie Bettler und Hausierer.

 


Ordnung der Bäckerzunft von 1587

Am Sonntag nach Neujahr sollen die Bäcker zwei Zunft- und Bäckermeister wählen. Wer in die Zunft aufgenommen werden will, muss als Fremder 4 fl., als Stadtbürger 2 fl. zahlen. Ein Lehrling muss 15 Batzen hinterlegen. Wer bei Zunfttagen und zünftigen Zechtagen Streit und Händel sucht, verfällt für 1 Pfund Pfennige der Strafe. In der Mühle soll kein Bäcker mehr als 3 Malter Korn oder Roggen gemäß der Ordnung mahlen. Jedem Zunftgenossen und ihren Eheweibern war ein ordentliches Begräbnis mit Mitwirkung der Zunftmitglieder zugesichert. 
Die Arbeit der Bäcker, vor allem das Einhalten der vorgeschriebenen Preise und Gewichte, überwachten die Brotwieger, die dem Bürgermeister per Eid verpflichtet waren.
Eid der Brotwieger
Die beiden Brotwieger soll angeloben und einen Eid zu Gott dem Allmächtigen schwören, daß sie alle Wochen wenigstens zwei Mal bei allen Bäckern, die Brot verkaufen, das Brot wiegen, so es sein Gewicht nicht hat oder nicht recht gebacken ist, das dem regierenden Bürgermeister anzeigen, damit er die gebührende Strafe verhänge
 

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