Traditionelle Wiesenbewässerung - Immaterielles Kulturerbe der Menschheit (UNESCO)

Bewahrung einer Jahrhunderte alten Tradition in den Queichwiesen in der Südpfalz

Die Wiesenbewässerung entlang der Queich ist eine jahrhundertealte landwirtschaftliche Technik, die von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt wurde. Diese nachhaltige Methode, die allein durch Schwerkraft funktioniert, fördert eine einzigartige Flora und Fauna und sichert die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen.

Was ist die Wiesenbewässerung in den Queichwiesen?

Die Wiesenbewässerung ist eine traditionelle landwirtschaftliche Kulturtechnik, die ausschließlich durch Schwerkraft funktioniert. Dabei wird das Wasser der Queich mit Stauwehren angehoben und über ein System von Gräben und Schleusen auf die Wiesen verteilt. Diese Methode sorgt für eine besondere Flora und Fauna und sichert die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen.

Warum ist die Wiesenbewässerung wichtig?

Die Wiesenbewässerung dient der Ertragssicherung und -steigerung in der relativ niederschlagsarmen pfälzischen Rheinebene. Sie verbessert die Wasserversorgung der Pflanzen und führt Mineralstoffe und Schwebstoffe mit sich, die als Dünger wirken. Zudem trägt sie zur Schädlingsbekämpfung, Bodenverbesserung und Verlängerung der Vegetationsperiode bei. Ökologisch bietet sie vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Wann und wie wird bewässert?

Die Bewässerung erfolgt in festgelegten Zeiträumen im April, Mai, Juli und August. Jede Gemeinde hat dabei einen bestimmten Zeitraum zur Wasserentnahme, wodurch die bewässerten Flächen durch das Gebiet "wandern" und ein dynamisches Mosaik aus überstauten, feuchten und weniger feuchten Flächen entsteht.

Wie alt ist die Wiesenbewässerungstradition?

Die Tradition der Wiesenbewässerung in der Queichniederung reicht mindestens bis ins Mittelalter zurück. Erste urkundliche Belege stammen aus dem Jahr 1428. Verschiedene historische Dokumente regeln die Wasserrechte und Nutzung.

Welche Veränderungen und Entwicklungen gab es in jüngerer Zeit?

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden viele Bewässerungssysteme in Deutschland aufgegeben, doch in den Queichwiesen wurde die Tradition weitergeführt. 1996 wurde die „Interessengemeinschaft Queichwiesen“ gegründet, um den Verfall des Systems aufzuhalten. Mehrere Projekte, unterstützt von Landesmitteln und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, halfen bei der Restaurierung und Erhaltung der Bewässerungssysteme.

Was bedeutet die UNESCO-Auszeichnung für die Wiesenbewässerung?

Am 5. Dezember 2023 erklärte die UNESCO die „Traditionelle Bewässerung: Wissen, Technik und Organisation“ zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“. Bereits 2018 wurde die Wiesenbewässerung in den Queichwiesen von der Kultusministerkonferenz in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Welche ökologischen Vorteile bietet die Wiesenbewässerung?

Die Wiesenbewässerung schafft wechselfeuchte Verhältnisse, die vielen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Insbesondere der Weißstorch profitiert von den bewässerten Wiesen, die ein reichhaltiges Nahrungsangebot bieten. Das Mosaik aus verschiedenen Feuchtigkeitsstufen in den Wiesen fördert eine hohe Biodiversität.

Welche historischen und kulturellen Aspekte sind mit der Wiesenbewässerung verbunden?

Die Wiesenbewässerung prägte die landwirtschaftliche Nutzung und die Landschaft in der Region über Jahrhunderte. Die Technik und das Wissen wurden von Generation zu Generation weitergegeben und sind ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes. Verschiedene historische Dokumente und Regelungen belegen die Bedeutung und Nutzung der Bewässerungssysteme.

Wie können Besucher mehr über die Wiesenbewässerung erfahren?

Im Rheinland-pfälzischen Storchenzentrum in Bornheim gibt es eine Dauerausstellung zum „Mythos Storch“ und zur Biologie des Weißstorchs. Ein interaktives Funktionsmodell zur Wiesenbewässerung zeigt anschaulich die Technik und Funktionsweise. Detaillierte Informationen zu den Queichwiesen und dem Immateriellen Kulturerbe Wiesenbewässerung findet man auf der Website der Interessengemeinschaft Queichwiesen. Zudem bietet die Website des „Internationalen Zentrums der Traditionellen Bewässerung in Europa“ (IZTB) eine umfassende Zusammenfassung zur Geschichte der Bewässerung in Europa.

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