Kundig und unterhaltsam auf Tour

SÜW Gästeführer - Sie kennen die Geschichte(n) und machen Lust auf ein Wiederkommen

Weithin sichtbar empfangen die Burgen Trifels, Anebos und Münz die Gäste in der Südpfalz. Manch einer von ihnen kann sich vielleicht sogar daran erinnern, dass hier Richard Löwenherz als Gefangener weilte. Auch die Villa Ludwigshöhe genießt einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Region. Aber wer weiß schon, woran man ein Gerberhaus erkennen kann oder wo sich an Hausmauern schier unerkannt „Durchblicke“ verbargen, durch die man von innen sehen konnte, wer da außen vor dem Tor stand? Diese Besonderheiten und manche Geschichte(n) aus der Region erfahren all diejenigen, die im Rahmen einer Gästeführung an der Südlichen Weinstraße oder in Landau auf Entdeckungsreise gehen. Zehn neue Gästeführerinnen und Gästeführer haben jetzt ihr Zertifikat erhalten und stehen bereit, den Gästen die Highlights und den Charme der Region zu zeigen.

Rund 150 Gästeführerinnen und Gästeführer gibt es insgesamt derzeit bei den Büros für Tourismus an der Südlichen Weinstraße und in der Stadt Landau, die allesamt eine anspruchsvolle Gästeführerausbildung absolviert haben. „Gästeführerinnen und Gästeführer sind Botschafter der Region und oft die ersten, manchmal die einzigen einheimischen Kontaktpersonen zu den Besucherinnen und Besuchern. Sie sind das Gesicht der Region, und sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, ob ein Gast wiederkommt“, weist Uta Holz, Geschäftsführerin des Vereins Südliche Weinstrasse, auf den hohen Stellenwert der Gästführerinnen und Gästeführer hin. „Es kommt immer darauf an, wie jemand seine Führung gestaltet, wie er oder sie auftritt, wie er seine Kenntnisse und sein Wissen ansprechend in die Führung einbindet, wie er als Person auf die Gruppe zugeht und dass er nach einem festen Plan vorgeht“, so Uta Holz. Seit den 2000er-Jahren übernimmt die RegioAkademie in der PfalzAkademie die Gästeführerausbildung. Immer dann, wenn eines der Büros für Tourismus oder eine Gemeinde neuen Bedarf anmeldet, werden neue Ausbildungskurse angeboten. Als Botschafterinnen und Botschafter in ihrer Region müssen sich die Gästeführer einem reiseerfahrenen Publikum stellen, das eine kurzweilige Präsentation aus Information und Unterhaltung erwartet. Entsprechend wird auch ein fundiertes Wissen in vielen Bereichen vorausgesetzt. Von April bis November 2023 absolvierten die zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Gästeführerschulung Südliche Weinstraße und Landau 166 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten, Übungen und Exkursionen in den Bereichen Rhetorik und Methodik, Geschichte, Kunstgeschichte, Recht, Volkskunde, Landschaft, geographische und regionale Besonderheiten sowie sozio-kulturelle Hintergründe und Informationen zur Barrierefreiheit, nachhaltiges Reisen an der Deutschen Weinstraße und Gästeführung als touristische Dienstleistung.

SÜW Gästeführer 2024
Gästeführung in Annweiler am Trifels

Die neuen Führungskräfte

Gleich und doch sehr unterschiedlich präsentieren die neuen Gästeführerinnen und Gästeführer bei der 30-minütigen Prüfungsführung die Städte Landau, Edenkoben oder Annweiler. Vorgegeben waren die Stationen, was gezeigt werden muss, die Streckenführung und der Zeitplan. Wie jede/jeder sein/ihr Wissen den Gästen vermittelt, welche Materialien er/sie verwendet oder wie die Führung ausgestaltet wird, blieb den Prüflingen selbst überlassen.

Eindrücke aus den Prüfungsführungen

Die 33-jährige Desirée, Drogistin und Tourismuskauffrau in Elternzeit, lässt ihre Liebe zur Heimat zu den Festen und Feiern in der Region erkennen, während die 55-jährige Alexandra aus Hessen spannend die Fresken in der Katharinenkapelle in Landau und den antisemitischen Blickpunkt in der Darstellung erläutert und Monika, die 68-jährige ehemalige Lehrerin und langjährige Schulleiterin in Äthiopien, den Blick auf die Traufsicht der Häuser am Landauer Rathausplatz richtet.

Was es mit den abgewinkelten Eingängen an den Häusern der Landauer Innenstadt auf sich hat, und warum die Glocken der Stiftskirche und der Marienkirche aufeinander abgestimmt sind, erläutert der 67-jährige Elektriker Reiner aus Billigheim, der sich in launischen Pfälzer Versen vorstellt. Gern auch auf Französisch führt Thomas, 65 Jahre und ehemaliger Leiter des Landauer Standesamtes, bei der Probeführung seine Gäste durch die Stadt und bringt Safran zur Einfärbung bei Majuskeln in alten Schriftstücken ins Spiel sowie den heitersten Brunnen von Landau. Marina aus Münchweiler, 33 Jahre alt, im Hauptberuf Pressesprecherin der Kreisverwaltung, lässt ihre Liebe zur Südpfalz sofort erkennen und bringt das Wiederauftauchen der Annweilerer Stadturkunde mit ihrer Geburt im Krankenhaus Annweiler ins Spiel. Sie stellt auch die Verbindung Annweilers zum russischen Zaren her. Dagmar, die 66-jährige ehemalige Lehrerin, geht vergnügt auf den Namen der Bockstaller ein und erläutert die Bestrafung am Pranger, während Birgit, 57-jährige Hotelbetriebswirtin und Gästeführerin aus Karlsruhe, den Einfluss der Hugenotten anspricht, Gerberhäuser beschreibt und auch in Weinempfehlungen gut bewandert ist.

Die Bayern in der Pfalz haben es Michael angetan. Der 61-jährige frühere After Sales-Betreuer bei Mercedes und heutige Gäste- und Radtourenführer aus Erlenbach bei Kandel, erläutert spritzig das Dreiecksverhältnis von König Ludwig, seiner Gattin Theresia und einer gewissen Tänzerin Lola, verewigt auf dem Schafsplatz in Edenkoben. Der gelernte Forstwirt Matthias, 57 Jahre aus Edenkoben, führt in einer Kutte als Bruder Matthäus durch Edenkoben und weist auf das Besondere der Edenkobener Kirchen hin.

Alle Prüflinge haben damit auf ihre Weise die „Feuerprobe“ Prüfungsführung Ende vergangenen Jahres gemeistert und dürfen inzwischen auf die „echten Gäste“ der Südlichen Weinstraße und Landaus losgelassen werden. Als inhaltlich und zeitlich anspruchsvoll bezeichnet eine der Kursteilnehmerinnen die Schulung. „Viel ist zwar noch durch die Schule bekannt gewesen, aber es waren doch sehr viele Bereiche, die man komplett neu erarbeiten und lernen musste. Ich habe Geschichtsunterricht in der Schule eher als preußische Geschichte wahrgenommen, jetzt kam pfälzische, französische und Ortsgeschichte mit dazu. Auch vieles aus den Fächern Kunstgeschichte, Volkskunde, oder geologische Besonderheiten der Region waren für mich in vielen Bereichen Neuland, obwohl ich die Region, die Landschaft und die Menschen hier bestens kenne“, war sie begeistert von ihrem Kurs, den fachlich hervorragenden Dozentinnen und Dozenten, dem tollen Teamgeist innerhalb der Gruppe und der Qualität der Ausbildung.

Zu Beginn dieses Jahres konnten nun alle zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gästeführerausbildung ihr Zertifikat aus den Händen von Landrat Dietmar Seefeldt und Landaus Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler entgegennehmen. „Jeder und jede Einzelne von Ihnen bringt ein geballtes Wissen und ganz eigene Hintergründe und Schwerpunkte mit, um nun als Botschafter für die Südliche Weinstraße und die Stadt Landau aktiv zu werden,“ hob Landrat Seefeldt hervor. „Ich habe großen Respekt vor Ihrer Leistung. Es erfordert großen Wissensdurst und Durchhaltevermögen, um bei diesem umfassenden Themenplan bei der Stange zu bleiben und sich am Ende einer Prüfung zu unterziehen“, ergänzte Oberbürgermeister Dominik Geißler. Bei der Feierstunde ließen es sich auch Landaus Beigeordneter Jochen Silbernagel, Uta Holz, Geschäftsführerin des Vereins Südliche Weinstraße e.V., Antje van Look und Ute Seitz von der RegioAkademie, Martina Roth, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Südpfalz Gästeführer grenzenlos, sowie Dozenten des Ausbildungskurses und Vertreterinnen der Tourismusbüros aus Annweiler, Edenkoben, Landau-Land und Landau nicht nehmen, den frisch gebackenen Gästeführern für Landau und SÜW persönlich zu gratulieren. Und zusammen anzustoßen, natürlich mit einem Glas spritzigem Pfälzer Rieslingsekt.

Gästeführung
Gästeführung

Gut präpariert

Die frischgebackenen Gästeführerinnen und Gästeführer kennen sich nach ihrer Ausbildung bestens aus in Landau, an der Südlichen Weinstraße und in der Region. Die Liebe zur Heimat und zur Region ist ebenso spürbar bei den Führungen wie die Fürsorge um die Teilnehmenden, wenn sie stets auf mögliche Unwägbarkeiten bei den Rundgängen und die nötige Achtsamkeit bei Straßenquerungen aufmerksam gemacht werden. Und sie zeigen gerne auch scheinbar Unbedeutsames, das dann aber nach ihren Erläuterungen so interessant und außergewöhnlich wird, weil man eben die Hintergründe erfährt. Dann fällt einem auf einmal auch ein großes Ziffernblatt im Hof eines Edenkobener Anwesens auf. Wo? Tja, einfach mal führen lassen, vielleicht auch von einem der neuen Gästeführer. Übrigens gibt es auch Sonderführungen, Themenführungen oder Führungen als Geburtstagsevent. Viele Führungen sind barrierefrei möglich und durchaus auch für Einheimische lohnenswert. Es wäre ja schon traurig, wenn Ihnen ein Gast erklären müsste, was ein „Päddel“ ist und wozu es diente, wo in Landau das alte Maß hängt und wo sich der Schipkapass befindet.

Text: Thomas Klein

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