Rund um den Wein

Etikette - Das Orientierungssystem

Es ist ein Dschungel da draußen. Kaum stehen Sie vor einem Weinregal, sehen Sie vor lauter (Flaschen-)Wald die Bäume nicht mehr. Sie werden erschlagen von Begrifflichkeiten wie "Selection", "Reserve", "Prädikatswein" oder "Cuvée", beliebterweise auch noch gefolgt von einem Mädchennamen anstatt der Nennung der Rebsorten. Bewahren Sie den Durchblick?

Das Deutsche Weingesetz gibt mit den unterschiedlichen Qualitätsstufen zunächst einen klaren Anhaltspunkt dazu, was Sie vor sich haben. Ein Qualitätswein (QbA = Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete) wird meist in der Literflasche angeboten und bildet die Grundlage der meisten Winzer - das ist der "Brot- und Butter-Wein". Wenn der richtig gut ist, können Sie davon ausgehen, dass die nächst höheren Qualitäten auch stimmen. Definiert wird die Qualität über das Mostgewicht, den "Öchslegrad", der aussagt, wieviel Zucker im Traubensaft ist. Je mehr Zucker, desto mehr Geschmack, desto höhere Qualität.

Die Stufe über QbA heißt Kabinett, und hier beginnen die Prädikatsweine. Kabinettweine haben meist schon eine wesentlich höhere Ausdruckskraft, sind dabei in aller Regel schlank, frisch, knackig und spritzig. Was Sie wissen sollten: dem Winzer ist es erlaubt, tief zu stapeln. Er darf etwa Spätlesequalität als Kabinett vermarkten, wenn er möchte. Gut für Ihr Geschmackserlebnis! An eine tatsächliche Spätlese werden hohe Ansprüche gestellt. Sie soll vollmundig sein, kräftig, soll ein Lager- und Entwicklungspotenzial aufweisen und, insbesondere im trockenen Bereich, sowohl zum Essen als auch solo brillieren.

Auslesen können trocken sein oder auch "restsüß", das richtet sich meist auch nach der Rebsorte und dem Jahrgang. Oft trinkt man sie zum Dessert, zu etwas schärfer gewürzten Speisen, als Aperitif oder auch zu Käse. Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen bilden im Prädikatsweinsystem die Spitze der Pyramide. Die Trauben für diese Qualitäten wurden von Botrytis befallen, einem Pilz, der das Wasser aus der Beere entweichen lässt, ohne eine schädliche Fäulnis zu begünstigen - das nennt man dann Edelfäule. Die Beeren schrumpeln zusammen, und was in ihnen verbleibt, sind nichts als Geschmacksstoffe, Säure und Zucker. Was der Fachmann auch Extrakt nennt.

Soweit eigentlich alles logisch und klar, weil nach Mostgewicht geordnet. Kommen wir zu den Ausnahmen von der Regel. Die einen sind geschmacklich bedingt. Eingeführt beim Verbraucher sind inzwischen die Bezeichnungen Classic und Selection. Bei beiden ist eine strenge Auswahl gebietstypischer Rebsorten vorgeschrieben. Der Restzuckergehalt darf jeweils etwas höher liegen, vom Geschmacksprofil her sind die Weine jedoch trocken. Höher freilich sind auch die Ansprüche an das Lesegut. Bei Selection muss sogar mit der Hand gelesen werden, und das bei einem stark reduzierten Ertrag zur Qualitätssteigerung. Als Faustregel könnte man sagen, dass Sie bei Classic einen gebietstypischen Qualitätswein gehobenen Standards vor sich haben, und bei Selection einen Spitzenwein aus einer Einzellage.

Seit 2005 gibt es in der Pfalz eine Banderole mit der Aufschrift "Districtus Controllatus Pfalz". Damit werden Rieslinge, Weiß-, Grau- und Spätburgunder sowie Dornfelder ausgezeichnet, die ein besonders gebietstypisches Geschmacksprofil aufweisen - Sie als Verbraucher sollen also erkennen können, dass Sie einen "echten Pfälzer" in der Flasche haben, der genau so schmeckt, wie er schmecken soll.

Wenn wir den Bereich der rebsortenreinen Weine verlassen, betreten wir das Reich der Cuvées. Das ist mit Verschnitt zwar vielleicht etwas unelegant übersetzt, doch drückt es genau dies aus: der Winzer verschneidet unterschiedliche, meist sehr hochwertige Weine miteinander, um daraus einen ganz neuen, individuellen, meist wertvollen Wein zu kreieren. Und weil sich manche nicht mit der Bezeichnung "Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Dunkelfelder" begnügen wollen, benennen sie ihn nach der Tochter, dem Sohn, verwenden eine Abkürzung oder eine Zahl. Solche Weine sind in der Regel sehr hochwertig, da sie die Stärken mehrerer Rebsorten kombinieren. Meist lagen sie sogar noch im Barrique, dem kleinen Eichenholzfass mit 225 Liter Fassungsvermögen, wodurch ihre Lagerfähigkeit erhöht wurde. Manchmal steht dann vielleicht noch Tafelwein auf dem Etikett, was Sie jedoch überhaupt nicht stören sollte - erst seit kurzem dürfen Cuvées als Qualitätsweine vermarktet werden.

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