So schmeckt die SÜW
Hier ist man gern zu Gast. Das liegt an dieser Region, in der eine bemerkenswert eigenständige und reichhaltige Küche zuhause ist. Und das liegt an den Ureinwohnern hier, deren Liebe zum guten Essen und Trinken sprichwörtlich ist.
Keinem, der hier anreist, bleibt das verborgen.Und alle nehmen gerne Anteil an dem Vergnügen. Dabei ist es gleich, ob man an einem derben Tisch oder einer feinen Tafel Platz nimmt. Ob dampfende Flääschknepp mit Meerrettich vor einem stehn, zusammen mit einem knackigen, trockenen Riesling oder ob gefüllte Wachteln mit Kastanienhonig und Rosmarin serviert werden, zusammen mit einem leicht restsüßen, edlen Gewürztraminer. Der Pfälzer macht da keinen Unterschied. Er schätzt beides gleich hoch. Vorausgesetzt es ist gut.
„Von nix kummt nix“, alles hat seine natürlichen Ursachen! Und in der Tat, die hiesigen Kochkünste lassen sich leicht erklären. Denn dieses gesegneteLand ist ein einziger, bestens sortierter Feinkostladen. Wo man steht, wohin man schaut, wächst und gedeiht alles in verschwenderischer Fülle. Und sogar die Luft ist voller Düfte und exotischer Aromen.Schlaraffenland? Jedenfalls ein Paradies für Genießer. Insbesondere für jene, die sehen wollen, wo und wie heranwächst, was ihnen auf dem Teller wiederbegegnet. Wir hier in der Südpfalz sind, was die Küche (und andere Genüsse) betrifft, fürwahr in einer besonders glücklichen Lage.
Da ist zunächst das Klima, mild, sonnig und warm wie nirgendwo sonst im Land. Da sind die verschiedenen, überaus fruchtbaren Böden. Von den buckligenWeinbergen bis hinab zum Ufer des Rheins kommt alles vor, was man sich wünschen kann. Mitten im Winter ernten die Kundigen bereits den kleinen, knackigen Feldsalat, der in der Nachbarschaft der Weinberge wild wächst und bei uns zu den geschätzten Köstlichkeiten gehört.
Wer uns im Frühjahr besucht, dem wird nicht nur der erntefrische Pfälzer Spargel mit den ersten Kartoffeln aufgetischt, zum Nachtisch darf er sich bereits an den hiesigen Erdbeeren gütlich tun.Wem Exoten wie Feigen, Kiwis und Zitronen bisher eher spanisch vorkamen, wird sie hier wachsen sehen.Schaut man in die Kräutergärten der Häuser und vieler Restaurants, kann man sich den Duft in der Luft und den aus den Töpfen leicht erklären. Üppig wachsen da die hiesigen Klassiker wie Kerbel, Majoran, Minze,Weinrauke, Dill, Borretsch etc. Daneben aber schießen die südlichen Aromaten ins Kraut. Knoblauch,Thymian, Rosmarin, Salbei. Sie geben der Pfälzer Küche eine südliche Note.
Wo aber kommt das Fleisch her und die Worscht,ohne die wir Pfälzer uns ein richtiges Essen ungern vorstellen mögen. In den saftigen Tälern und auf den aromatischen Waldwiesen stehen Herden von Rindern gut im Futter, darunter die cremeweißen Charolais und die schwarzzottigen Highländer. Schafherden und Ziegen durchstreifen die Weiden, Schweine grunzen in den Ställen. Dazu kommt züchtiges Federvieh aller Art. Und der fangfrische Fisch aus den Waldweihern oder den Seen des Rheintals. Sie alle kommen natürlich auch auf den Tellern vor.
Zum Zahm gesellt sich das Wild. Allen voran erfreut sich das wilde Schwein, das hier rudelweise die Maronenwälder durchstreift, großer Beliebtheit. Auch bei den Feinessern, denen es in Rotwein eingelegt und in Rotwein gegart am liebsten ist. Dazu gibt es was wohl? Rotkohl und kräftigen, tanninhaltigen Rotwein! Das Schwarz- wird vom Rotwild gefolgt,von Reh und Hirsch. Da wollen natürlich auch Hase und Kaninchen nicht abseits stehen. Auch die wilden Geflügel wie Fasan, Wachtel und Rebhühner finden ihren Weg in die Speisekarte der feinen Küche.
Zur besonderen Lage der Südpfalz gehört auch die unmittelbare Nachbarschaft zum Elsass. Mit der wechselvollen Geschichte wechselten auch die Küchenkünste und ein gutes Stück Lebensart herüber und hinüber. Die Lust auf hausgemachte Schweinereien wie Blut- und Leberwürste, Schwartenmagen, Kesselfleisch und den köstlichen Bäckeöffe-Eintopf verbindet uns ebenso wie das köstliche Weinkraut, die geschätzten Gemüseeintöpfe und cremigen Suppen sowie die geliebten Flammkuchen und zimtduftende Rahmkuchen.
Unter den Spezialitäten unseres Landstrichs haben es einige zu Weltruhm gebracht. Der Saumagen zum Beispiel. Das hätte er gewiss nie, wenn sich hinter dem groben Wort und der rustikalen Form nicht außerordentliche Qualitäten verbergen würden.
Schon die bürgerlichste Variante ist eine fein gewogene Mischung aus frischem Schlachtfleisch, Bratwurstfülle, Eiern, Zwiebeln, Petersilie und guter Pfälzer Kartoffel. Kräftig gewürzt mit Knoblauch, Pfeffer, Muskat und reichlich Majoran. Man begegnet ihm aber auch in den allerersten Häusern, variiert und verfeinert etwa mit Maronen oder schwarzen Trüffeln. Gleich wie, man sollte sich diesen Genuss nicht entgehen lassen.
Aber was wäre die südliche Pfalz ohne den Wein. Er prägt das Bild der Landschaft. Aber auch unsere Nasen, Zungen und Gaumen. Denn seine Sortenvielfalt,seine fein differenzierten Duft- und Geschmacksaromen lehren uns das Riechen und das Schmecken. Er beflügelt unsere Sinne und treibt uns an, das Gute zu verfeinern und das Mäßige zu missbilligen. Kaum etwas verlässt bei uns den Topf oder die Pfanne, ohne dass man einen kräftigen Schuss Roten oder Weißen daran gegeben hätte. Und kaum ein Bissen wandert in den Mund, ohne dass ihn der jeweilspassende Tropfen begleiten würde.Wer die Südpfalz und ihren Reichtum kennenlernen will, der gehe auf Entdeckungsreise. Durch die unzähligen, kleinen Weinstuben, durch die vielen Restaurants und in die mit Sternen und Mützen ausgezeichneten Tempel der Gourmets. Er versäume auch nicht in die Keller der Winzer zu steigen oder das üppige Angebot der Obst- und Gemüsebauern zu würdigen.
Viele unserer Besucher werden angezogen von der malerischen, südlichen Landschaft und vom rauen Charme der Bewohner. Die heiße Liebe jedoch, sie geht nicht selten durch den Magen.

